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Der daseinsanalytisch orientierte
Schweizer Psychiater Medard Boss war ursprünglich Psychoanalytiker. Den
ersten Teil seiner Lehranalyse absolvierte er bei Freud in Wien, den
Rest bei einem Zürcher Analytiker. An der Notwendigkeit einer
Lehranalyse hat er trotz seiner später folgenden massiven Kritik an
Freud mit Rücksicht auf die Praxis festgehalten.
Während seiner Militärdienstzeit im
Zweiten Weltkrieg vertrieb er sich die Zeit, indem er Martin Heideggers
Werk "Sein und Zeit" las. Er wollte herauszufinden, "was denn eigentlich
… Zeit sei". "Ich verstand … keinen Satz", berichtet er (Boss 1973.92).
Es ließ ihm aber keine Ruhe. Unmittelbar nach Kriegsende nahm er Kontakt
mit dem Philosophen auf, allerdings "erst, nachdem er "zureichende
Gewissheit" erlangt hatte, dass kursierende Vorwürfe gegen Heidegger
unberechtigt waren. "Augenblicklich", so schreibt er nach der ersten
Begegnung 1946, "verband uns … gegenseitiges Wohlwollen" (a.a.O.94).
Aus diesem Wohlwollen entstand eine bis
an Heideggers Lebensende andauernde Zusammenarbeit, ja Freundschaft
zwischen Arzt und Philosoph. Gemeinsame Privatseminare in Zürich und
Publikationen führten schließlich zur Gründung der "Daseinsanalyse", von
der Boss sagt, sie sei "zweierlei, sowohl eine Menschenkunde wie ein
therapeutisches Verfahren" (a.a.O.100). Es gehe nicht im Entferntesten
um ein System fertiger Lehrsätzen. Daseinsanalyse "könne immer nur eine
Aufforderung zum unermüdlichen Anschauen der Dinge, zum noch besseren
Hinsehen sein" (ebenda). Sein wichtigstes Buch ist "Grundriss der
Medizin und der Psychologie" (Bern/ Stuttgart/ Wien: Huber 1999³).
(erschienen 2008) |
| Autor: |
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| Dr. Hans Josef Tymister
Professor (em) Universität Hamburg
Lehrberater DGIP
Leiter der cultur-werkstatt dreiländereck,
Abteilung Bildung |
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