Rudolf Dreikurs steht in der Tradition der von
Alfred Adler begründeten Individualpsychologie und hat sie maßgeblich
für Erziehungsprozesse in Familie und Schule nutzbar gemacht und
weiterentwickelt. Er begegnete Alfred Adler als Medizinstudent im
WienerArbeiterrat und war beeindruckt von Adlers psychologischem Ansatz.
Nach Studium und Promotion widmete sich Dreikurs der
Individualpsychologie in Vorträgen, Kursen und Publikationen. 1937
emigrierte er in die USA. Dort gab er die Individual Psychology News und
das Individual Psychology Bulletin heraus und gründete das American
Journal of Individual Psychology. 1942 wurde er Professor für
Psychiatrie und gründete das Alfred Adler Institute in Chicago, das
heute Universitätsstatus besitzt.
Seine Arbeiten wurden weit über die USA hinaus bekannt. Auf der
Grundlage der Individualpsychologie entwickelte er eine eigene
psychotherapeutische Schule, die Teleoanalyse. Ab 1962 führte er
regelmäßig internationale Ferienkurse (ICASSI) für
individualpsychologisch interessierte Lehrer, Ärzte, Psychologen und
andere Berufe durch.
Im Zentrum seines psychologischen Ansatzes stehen kindliche/menschliche
Nahziele, die in der Interaktion zwischen Erwachsenen und Kindern immer
wieder zu Störungen in Beziehungs- und Lernprozessen führen. Seine
vielen Erziehungsratgeber verdeutlichen den Erwachsenen, wie sie Kinder
verstehen können und wie die Erziehungsprinzipen „Ermutigung“ und
„Konsequenz“ den Erwachsenen helfen, Kinder als Partner zu gewinnen. Auf
der Basis des Familien- oder Klassenrates üben Erwachsene und Kinder
demokratisches Verhalten. Zu seinen Hauptwerken im deutschsprachigen
Raum zählen „Eltern und Kinder – Freunde oder Feinde?“, „Ermutigung als
Lernhilfe“, „Familienrat“, „Kinder fordern uns heraus“, oder
„Psychologie im Klassenzimmer“. Weniger bekannt sind seine Arbeiten zur
Paar- und Partnerberatung wie z.B. „Soziale Gleichwertigkeit“.
(erschienen 2008) |
| Autorin: |
|
Dr. Dagmar
Kasüschke
Fachhochschule Düsseldorf
Professorin für Pädagogik der
frühen Kindheit |
 |
|